Wie das 85mm 1.2L mein Leben verändert hat

Wie das 85mm 1.2L mein Leben verändert hat

Daniel Hölbling-Inzko:

Nach bald einem halben Jahr mit dem Canon EF 85mm 1.2L II ist es denke ich an der Zeit mal über meine Erfahrungen mit dem Teil zu sprechen. Die Kurzversion: Kaufen kaufen kaufen!

Bevor ich das 85er hatte bin ich eigentlich den den klassischen Zoom Weg gegangen. 16-35 f/4, 24-70 f/2.8 und 70-200 f/2.8. und ich liebe meine Zooms nach wie vor. Vor allem das 24-70 ist fast jeder Fixbrennweite weit überlegen und liefert in jeder Situation phänomenale Ergebnisse. Aber es ist halt nur ein 2.8 und wenn man mal ein 1.2 probiert hat will man in gewissen Situationen halt einfach mehr.

Also warum das 85er 1.2? Wenn man sich die Internet Foren durchliest sieht man fast nur die Nachteile des Objektivs: Das Ding ist irre teuer und noch dazu irre schwer. Viele regen sich über den langsamen Focus auf, es hat Chromatische Abberationen etc pp..

Ja – alles richtig – das Objektiv ist „komplex“. Es hat viele Nachteile, aber wenn man einmal damit Fotos gemacht hat und sich danach die Ergebnisse ansieht ist das alles kein Thema mehr. Das Objektiv könnte doppelt so schwer sein, es könnte doppelt so langsam sein – der Look den das Objektiv hat ist einfach jeden Cent und jede Mühe wert. Nicht nur die große 1.2 Blende, nein einfach generell wie es abbildet – die Kontraste, das cremige und vor allem leicht runde Bokeh. Wenn man sich auf das Objektiv einmal eingelassen hat gibt es kein Zurück mehr, und wenn ich heute nur mehr ein Objektiv haben dürfte – es wäre das 85er.

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Ich ertappe mich sogar laufend dabei das Objektiv für Ganzkörper-Aufnahmen zu verwenden weil es einfach so toll aussieht!

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Achtet auf das wunderschöne „runde“ sich fast drehende Bokeh. Foto: Hochzeitsfotograf Daniel Hölbling-Inzko

Jetzt scherze ich eigentlich immer dass ich wahrscheinlich erst Monate später merken würde wenn bei meinem Objektiven die Blenden Iris kaputt wäre.. 95% aller Fotos werden bei mir bei maximal offener Blende gemacht, und bei 2.8 passen die Ergebnisse da auch immer. Der Hintergrund ist wie ich es mir wünsche und auch der Fokus-Bereich ist groß genug um auch mal schlampige Arbeit zu entschuldigen.

Und dann kam das 1.2. Nicht nur ist die Fehlertoleranz beim Focus gleich null, nein bei so einer Blende und vor allem so einer Brennweite tendiert der Hintergrund dazu völlig ins nichtssagende abzudriften wenn man nicht aufpasst. Es kann sehr leicht zuviel werden, was man durch den Sucher garnicht oder zu spät erst bemerkt. Einige Bilder in denen ich den recht interessanten Hintergrund im Bild haben wollte sind fast unkenntlich geworden – die Braut ist drauf, aber vom Rest meiner Komposition bleibt nichts über.

Hier ein Beispiel eines sehr schönen Säulenganges wo ich in Retrospektive doch fast etwas mehr Hintergrund übrig lassen hätte sollen. (Wobei – mal ehrlich – es sieht trotzdem toll aus)

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Der fast unkenntliche Säulengang. Foto: Hochzeitsfotograf Daniel Hölbling-Inzko

Damit muss ich jetzt zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich aktiv darüber nachdenken welche Blende ich verwenden möchte – bei 2.8 war das nie ein Thema außer bei Gruppenfotos und da war es einfach eine simple binäre Entscheidung anhand der gewünschten Tiefe meines scharfen Bereiches. 2 Leute beim typische Braut mit bester Freundin Foto? Blende 4. Brautleute mit den Eltern bei dem Formals? 5.6.

Aber mit der Flexibilität des 1.2 geht es viel weniger um die gewünschte Schärfe im Bild sondern darum wie groß ich meine Blende machen kann bevor mir der Hintergrund völlig entgleitet. Was auch klasse ist – mit dem Teil kann man wahrscheinlich in einem Schlachthof noch traumhafte Portraits machen – völlig egal was da im Hintergrund ist. Aber so ein Vorteil hat halt auch Nachteile die man zusätzlich bedenken sollte.

Ach ja, und auch im Studio macht das Ding eine grandiose Figur:

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Studio-Aufnahme 85mm 1.2L II @ f/5.6

Daniel Waschnig:

Wie es so sein musste habe auch ich das Objektiv vom selbem Kollegen ausleihen dürfen und nachdem Daniel (Hölbling-Inzko) so sehr vom Objektiv geschwärmt hatte, konnte auch ich nicht anders und habe kurz danach diese tolle Linse bestellt. Aus diesem Grund möchte ich auch gerne meine Erfahrungen dazu berichten.

Jetzt nach knapp über einem Monat konnte ich das Objektiv schon bei drei Hochzeiten sowie einigen Business- bzw. Magazinshootings einsetzen. Im Gegensatz zu Daniel Hölbling-Inzkos Version, musste ich erst ein paar Micro-Adjustments vornehmen bis die Schärfe zu 100% gepasst hat. Nach den Anpassungen kann ich aber guten Gewissens sagen das es auch offenblendig brauchbar und absolut scharf ist.

Businessaufnahmen mit dem Canon 85mm 1.2L Objektiv in Klagenfurt, Kärnten

Businessportrait für ein Magazin Cover. Aufgenommen mit dem Canon 85mm 1.2L

Ähnlich wie Daniel bereits oben berichtet hat, war auch ich sehr angetan, aber zugleich schockiert wie stark und cremig das Bokeh dieses Objektivs ist. Obwohl ich eigentlich sehr viel mit dem 50mm 1.4 fotografiere, war dies ein ganz neues Level an Hintergrundunschärfe. Für Hochzeiten, Paarfotos, Kinderfotos ist dies natürlich traumhaft. 85mm ist jedoch auch eine ganz tolle Brennweite für alle möglichen Portraits, weshalb ich das Objektiv auch für andere Shootings wie beispielsweise Businessportraits eingesetzt habe. Hierbei ging es mir ähnlich wie Daniel, denn man neigt echt dazu sehr offenblendig zu fotografieren, was nicht immer von Vorteil ist. Bei Aufnahmen eines Businessmannes z.B. kann der Look oftmals schon zu verträumt und weich aussehen, weshalb man sich hierbei genaue Gedanken machen sollte mit welcher Blende man arbeiten möchte, denn abgeblendet ist das Objektiv natürlich auch noch ein ganz tolles Teil.

Businessaufnahmen mit dem Canon 85mm 1.2L Objektiv in Klagenfurt, Kärnten

Businessaufnahme mit dem Canon 85mm 1.2L

Abgesehen vom oberen Punkt der als positiv angesehen werden sollte, da er die fotografischen Möglichkeiten erweitert, kann nur gesagt werden das dies ein wunderschönes Spezialobjektiv ist das für gewisse Einsatzgebiete echt genial ist. Der Preis ist natürlich sehr sehr Hoch und zahlt sich daher für viele Einsatzgebiete sicher nicht aus (da tut es das 85mm 1.8 wohl auch), aber trotzdem hat das Objektiv einen bestimmten Prestigefaktor und Look der einem Lust am fotografieren macht :).

Hochzeitsaufnahme mit dem Canon 85mm 1.2L Objektiv

Auch bei einigen Hochzeiten konnte ich das Objektiv schon testen. Hier fühlt sich das Objektiv sofort wie zuhause!

Businessaufnahme des Universität Rektor Vitouch der Alpen Adria Universität Klagenfurt, Kärnten

Noch eine Businessaufnahme mit dem 85mm

Mein Name ist Daniel Hölbling-Inzko und ich bin Hochzeitsfotograf aus Klagenfurt am Wörthersee in Kärnten.

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