Sepia-Look nur mit Lightroom erzeugen

Warum viel Geld ausgeben für Plugins die Schwarz/Weiß und Sepia-Tonungen anbieten wenn ich das selbe in Lightroom genauer und mit mehr Kontrolle über das Ergebnis machen kann? Wie zeigen wir im heutigen Video zum Thema Teiltonung und Schwarz/Weiß-Entwicklung. Und zwar komplett, wie komme ich zu einem guten S/W Foto und wie geht es dann weiter.

Wer in Lightroom neben dem B/W-Button noch einen Sepia Knopf sucht wird aber bald frustriert aufgeben. Besitzt man Plugins wie z.B. VSCO, Nik-Collection oder Perfect Black&White so gibt es natürlich einen entsprechenden Button, doch muss ich gestehen dass mir diese Tools oft zuviel auf einmal anrichten. Oft will ich gewisse Effekte nur subtil oder minimal anders anwenden als im Preset vorgegeben. Dazu ist es hilfreich selbst zu verstehen wie S/W in Lightroom funktioniert und was es mit dem Thema Split-Toning auf sich hat. (Und bald stellt man recht schnell fest dass es ohne Plugins sogar einfacher geht).

Also um loszulegen beginnen wir mit einem Farb-Foto und verwandeln es erstmal in ein S/W-Bild. Dies geschieht über einen einfachen klick auf den S/W-Button im HSL-Panel. Lightroom versucht nun clever zu sein und das Bild automatisch in S/W umzuwandeln, doch so richtig gut funktioniert das finde ich selten. Deshalb ist der Schritt der S/W-Entwicklung fast der wichtigste an dem ganzen Sepia-Look:

hsl panel

Dieses Panel ermöglicht es uns Lightroom zu sagen welche Helligkeit (Luminanz) einzelne Farben in unserem fertigen S/W haben sollen. Zieht man z.B. den Rot-Schieber nach Links so werden Rottöne dunkler, zieht man ihn nach Rechts so erscheinen Rottöne heller. Dabei ist für Lightroom vor allem wichtig dass Farben die natürlich nahe aneinander liegen (z.B. Hauttöne bestehen aus Rot und Orange) sich nicht zu extrem unterscheiden da sonst krasse Kontraste entstehen wo eigentlich keine sein sollten.

Beispiel: Der Unterschied zwischen verschiedenen S/W-Mix Einstellungen für Orange

Beispiel: Der Unterschied zwischen verschiedenen S/W-Mix Einstellungen für Orange

Der B/W-Mix eignet sich auch hervorragend um z.B. Farb-Kontraste zwischen Vordergrund und Hintergrund zu schaffen. So passe ich im Video z.B. die dominanten Farben des Hintergrundes so an dass sie sehr dunkel dargestellt werden während ich die Hautfarbe des Paares heller mache um Tiefe zu schaffen.

Sobald man zufrieden ist mit der Farbdarstellung in S/W geht es für mich oft noch an die Tonwert-Kurve um den Bildern mehr Kontrast zu geben. Dies geht zwar auch über den Kontrast-Schieber, doch die Tonwert-Kurve gibt einem viel feinere Kontrolle über den Vorgang.

tone-curve

Merksatz: Desto spitzer die Tonwert-Kurve ist desto mehr Kontrast hat das Bild. D.h. desto steiler der Verlauf  von Schwarz nach Weiß desto mehr Kontrast empfinden wir im Bild. Der Kontrast-Schieber macht im Grunde nichts anderes als die Tonwert Kurve automatisch steiler zu machen, etwas das wir aber besser selbst kontrollieren können mit der Tonwert-Kurve.

Vergleich normal (links) und angespitzter Tonwert-Kurve (rechts)

Vergleich normal (links) und angespitzter Tonwert-Kurve (rechts)

Sobald man mit dem S/W Bild zufrieden ist geht es nun darum dem ganzen etwas Farbe einzuhauchen. Vor allem S/W sieht oft düster und bedrohlich aus was wir mit dem hinzufügen von Farb-Akzenten verhindern können. Hier kommt also die Sepia-Tonung ins Spiel: Wir geben dem Bild Wärme!

Das ganze geht mit dem Split-Toning Panel in Lightroom, und das funktioniert wie folgt: Man wählt zwei Farben welche Lightroom benutzt um die Höhen und die Tiefen unterschiedlich einzufärben. Klickt man auf das kleine Farb-Kästchen (anfangs ist dieses grau) so erscheint ein etwas seltsam anmutender Farb-Selektor:

color-picker-split-toning

Eigentlich ist er aber ganz simpel, auf der horizontalen Achse sind alle Farben aufgetragen während in der vertikalen Achse die Sättigung der Farbe versteckt ist. Möchte ich also ein sattes, kräftiges Rot so klicke ich oben, möchte ich ein schwaches Rot so klicke ich im unteren Bereich. Wichtig: Grau ist neutral. Möchte ich also eventuell nur die Höhen färben und nicht die Tiefen so setze ich die Sättigung für die Tiefen einfach auf 0% und egal welche Farbe ausgewählt ist – es ändert sich nichts im Bild.

Das war es auch schon mit dem Split-Toning-Panel, die Farbe die unter Highlights gewählt wurde (und je nachdem wie viel Sättigung gewählt wurde) wird in die mittleren Höhen gemischt (Weiß bleibt Weiß, doch die Abstufungen bis 50% Grau werden gefärbt) und umgekehrt für die Tiefen. Mit dem Balance-Schieber kann ich noch den Mittelpunkt der Split-Tonung wählen, also wo für die Split-Tonung im Histogramm die Tiefen aufhören und die Höhen beginnen. Kurz: Balance nach Links und Lightroom färbt auch teile der Höhen in der Farbe der Tiefen, weiter nach Rechts und die oberen Tiefen bekommen auch noch die Höhen-Farbe. (Schaut es euch am besten das Video!)

Split-Toning Erklärung

 

Nun, der eigentliche Sepia-Look ist nichts anderes als die logische Konsequenz dieser Tools. Bild in S/W haben wir ja bereits, also nun färben wir das S/W noch leicht Orange und fertig.
Hier kommt jetzt der persönliche Geschmack und auch die Anfangs erwähnte Kontrolle ins Spiel. Subtile Farb-Änderungen im Split-Toning Panel ändern den Look und auch die Stimmung des Bildes dramatisch, und deshalb ist es mir sehr wichtig hier genau den richtigen Ton zu erwischen und nicht das Preset das gerade am besten passt. Oft färbe ich auch die Tiefen in einem etwas schwächeren Orange um den „klassischen“ Sepia-Look zu erzielen, doch oft mische ich in die Schatten auch etwas Blau oder Grün um sie etwas kälter erscheinen zu lassen. Dadurch fühlen sich die Haut-Töne wiederum organischer und wärmer an.

Finales Sepia-Bild. Foto: Hochzeitsfotograf Daniel Hölbling-Inzko

Finales Sepia-Bild. Foto: Hochzeitsfotograf Daniel Hölbling-Inzko

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Mein Name ist Daniel Hölbling-Inzko und ich bin Hochzeitsfotograf aus Klagenfurt am Wörthersee in Kärnten.

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