RAID Systeme als Datensicherung?

RAID Systeme als Datensicherung?

Hersteller von NAS Systemen werben gerne mit der Sicherheit vor Datenverlust von RAID Systemen wenn es darum geht ihre Ware an den Mann zu bringen. Doch reicht das wirklich?

Kurz: Nein. RAID-Systeme sind KEIN Backup, sie sind nur in gewissen Situationen ganz praktisch – doch sicher nicht als Backup.

Was ist eigentlich ein RAID-System? RAID-Systeme kommen normalerweise hauptsächlich bei Servern zum Einsatz und sind dazu gedacht den reibungslosen Betrieb eines Servers zu ermöglichen selbst wenn eine Festplatte kaputt geht. Im einfachsten Fall werden einfach 2 Festplatten gleichzeitig mit den selben Daten beschrieben sodass wenn eine ausfällt die andere einfach weiterarbeiten kann ohne Probleme. (Der Server auf dem diese Webseite läuft benutzt z.B. solch ein System um sicherzustellen dass die Webseite weiterhin verfügbar bleibt sollte eine Festplatte kaputt gehen).

Im Heimbetrieb bedeutet ein RAID meist dass man sich eine Synology DiskStation gekauft hat und diese irgendwo in der Ecke steht und Festplatten im Netzwerk anbietet. Diese NAS (Network Attached Storage) Geräte besitzen fast ausnahmslos die Möglichkeit die eingeschobenen Festplatten per RAID zu verbinden. Ein praktisches Feature wenn man direkt auf der Festplatte Daten schreibt und liest – doch für den normalen Fotografen-Workflow mit Lightroom und Photoshop ungeeignet.

Vor allem Lightroom profitiert extrem davon wenn der Katalog auf einer schnellen Festplatte zu finden ist. Desto schneller die Festplatte desto schneller läuft auch Lighroom! Entsprechend ist es nicht zu empfehlen Lightroom über das Netzwerk auf einem NAS-System zu betreiben (ganz egal wie schnell die Festplatten dort sind), sondern besser auf der lokalen Festplatte des Computers. Und damit sind wir auch schon zurück beim Thema RAID: Wenn ich nicht direkt auf den Daten im RAID arbeite (sondern auf meiner Festplatte im PC) dann bringt es auch herzlich wenig wenn diese Festplatte gegen abstürze im laufenden Betrieb gesichert ist oder?

Sinn macht das RAID nur wenn ich es im Computer habe in dem ich auch gerade die Daten bearbeite (dort macht es finde ich sogar sehr viel Sinn) – nicht aber im Netzwerk-Server den ich nur als Daten-Ablage verwende wenn ich mit der Bearbeitung am Rechner fertig bin. Ganz im Gegenteil, die Spiegelung der Daten kostet natürlich Speicherplatz – im schlimmsten Fall verliere ich die hälfte meiner physischen Festplatten-Kapazität.

Außerdem muss man sich im Klaren darüber sein dass RAID-Systeme nichts anderes tun als alle Aktionen die man setzt auf 2 Festplatten zu spiegeln. Lösche ich also eine Datei so wird das RAID diese Datei auch brav von beiden Spiegelungen sofort löschen. Also eigentlich nicht besonders sinnvoll wenn es darum ginge zu verhindern dass ein Software-Fehler mich um meine Daten bringt (oder ich aus Versehen etwas lösche).
Für genau diesen Fall gibt es richtige Backup-Software welche inkrementelle Backups anfertigt. Das heißt die Software läuft z.B. täglich und sichert alle geänderten und neuen Dateien in einem Format welches das wiederherstellen der Daten zu unterschiedlichen Zeitpunkten ermöglicht. Sollte etwas schief gehen so kann man immer noch die Datei von gestern oder von letzter Woche wiederherstellen. Welche Software es da gibt und wie man sie nutzt kommt ist ein Thema für einen komplett eigenen Post.

Viel wichtiger als ein RAID System ist die räumliche Trennung von Festplatten. Bestes Beispiel wäre ein Blitz der in das NAS-System einschlägt und beide Festplatten mit dem RAID grillt. Die ganze Ausfallsicherheit umsonst weil gleichzeitig alle redundanten Festplatten weg sind. Deshalb: Lokale Backups für den Fall dass die Festplatte im Computer kaputt geht oder man versehentlich etwas löscht, und ein weiteres Backup das man an einem geografisch getrennten Ort aufbewahrt.

Dazu benutze ich persönlich einfach 2 externe Festplatten: Eine Festplatte habe ich zuhause auf die regelmäßig ein Backup gespielt wird, die andere liegt bei meinen Eltern im Keller (der den Spezifikationen eines Luftschutzbunkers entspricht). Alle 2 Wochen nehme ich die Festplatte von zuhause und tausche sie gegen die andere im Bunker. Dadurch ist für den Fall dass die Wohnung abbrennt immer eine Kopie der Daten bei meinen Eltern die maximal 2 Wochen alt ist.

Abschließend bleibt zu sagen: Testet eure Backups! Erst wenn ihr euch 100% sicher seid, dass ihr das Backup auch im Ernstfall wiederherstellen könnt, ist es wirklich ein Backup. Viele übersehen das und merken erst, wenn die Festplatte kaputt ist, dass das Backup bereits seit über einem halben Jahr nicht mehr funktioniert hat!

Mein Name ist Daniel Hölbling-Inzko und ich bin Hochzeitsfotograf aus Klagenfurt am Wörthersee in Kärnten.

There are 2 comments for this article
    • Daniel Hölbling-Inzko Author at 7:39

      Ja das stimmt – wobei das an der darunterliegenden Datenbank liegt.
      Auch finde ich entschädigt die funktion dass man den Lightroom Katalog exportieren kann inkl Negativen und dann woanders bearbeiten und wieder zurück importieren kann.
      Damit finde ich kann man recht gut arbeiten wenn man mehrere Rechner hat.

      Oder meintest du dass man den Katalog nicht auf einer Netzwerk-Platte liegen haben kann? Weil das funktioniert doch oder?

      LG daniel

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