Kauf-Guide für portable Studioblitze

Gerade kam eine Frage eines Freundes herein welchen Studioblitz ich empfehlen würde. Grundsätzlich kann man über das Thema stundenlang diskutieren, deshalb dachte ich mir ich schreibe diesen Blogpost für andere zum nachlesen.

Also warum will man eigentlich einen portablen Studioblitz? Viele schwören doch auf Speedlights die vor allem durch ihre kleine Bauform extrem praktisch und eigentlich immer dabei sein können. Ich habe z.B. immer 2 Speedlights in der Kameratasche.

Das Problem an Speedlights sind jedoch die Lichtformer und der Licht-Output. Einerseits sieht es meiner Meinung nach recht unprofessionell aus wenn man da mit irgendwelchen Flash-To-Softbox Schienensystemen oder Klettverschlüssen herumhantiert, und so richtig überzeugend war da keines der Systeme. Richtige Blitze haben ein Bajonett das Lichtformer sicher und verlässlich auf dem Blitz montieren und die auch mit einem Handgriff montiert sind. Man erspart sich das hantieren mit komischen Schienen und Kaltschuh Systemen.

Auch sind Speedlights nicht sonderlich Leistungsstark. Zwar kein sehr grosses Problem, für was haben wir doch die ISO Einstellung an der Kamera, doch sobald es mal darum geht das Umgebungslicht zu überflügeln oder gar gegen die Sonne zu Blitzen wird es schnell dunkel mit den Aufsteckblitzen. Zwar können immer mehrere Blitze kombiniert werden, doch auch da stellt man sich irgendwann die Frage ob es nicht einfacher und sinnvoller ist in eine stärkere Blitzanlage zu investieren.

Doch was kauft man? Wieviel Watt soll der neue Blitz haben und worauf kommt es wirklich an beim Kauf?

Ich persönlich habe letztes Jahr den Jinbei DC II 600 Porty Pro von Foto Morgen gekauft. Ich bin auch sehr zufrieden mit dem Blitz an sich, jedoch gibt es einige Dinge die mich stören und die ich beim nächsten Kauf anders machen würde.

Generator/Blitzkopf-Trennung: Zuerst dachte ich dass der leichtere Blitzkopf (ähnlich wie beim Elinchrom Ranger) ein wichtiges Feature meines Blitzes werden würde. Weniger Gewicht am Blitzkopf sollte es mir eigentlich leichter machen Outdoor zu Blitzen selbst wenn ein wenig Wind geht. Soweit die Theorie – in der Praxis ist es mir persönlich relativ egal wie schwer der Blitz ist, eine 150cm Octabox bietet soviel Angriffsfläche für Wind dass man so oder so einen Assistenten am Stativ braucht der das Ding hält. Zurück bleibt dass man die ganze Zeit 2 Teile herumschleppen muss, mit einer Hand das Stativ mit der grossen Octa, mit der anderen den Generator – nicht optimal und mich nervt persönlich das ganze Kabel anstecken und abstecken tierisch. Mein nächster Blitz wird sicherlich Generator/Blitzkopf/Akku in einem Gehäuse haben.

Langsame Abbrennzeigen: Ich war unschlüssig, aber auf dem Papier klingt es super dass der Blitz so langsam abbrennt dass man damit auch HSS Fotos machen kann. Leider funktioniert das ganze aber eher dürftig. Der Blitz generiert sehr merkbare Helligkeitsverläufe (er ist ja nun doch nicht für HSS gebaut) und im normalen Modus fehlt dem Blitz einfach das letzte Quäntchen Schärfe das man normalerweise durch Blitzlicht erreicht. Leichte Bewegungsunschärfe und andere unschöne Dinge sind leider keine Seltenheit.
Für den nächsten Blitz wünsche ich mir hier entweder eine richtige HSS Lösung, oder einen normalen Blitz mit schnellen Abbrennzeiten. Aber sicher keine „preisbedingte“ langsame Lichtröhre die man eventuell für HSS missbrauchen kann.

Funkfernbediehung: Jinbei liefert einen Funkauslöser mit – dieser kann den Blitz sogar rudimentär fernsteuern, doch man merkt schnell dass ein +/- Button auf dem Auslöser nicht wirklich das gelbe vom Ei ist. Man sieht nicht ob der Befehl auch wirklich angenommen wurde, man sieht nicht welche Leistung am Gerät eingestellt ist und für grössere Anpassungen muss man eigentlich immer zum Generator laufen und darauf herumdrehen (und der steht am Boden weshalb man sich andauernd bücken muss).
Mein Wunsch für den nächsten Porty: Eine Fernbediehnung mit Display welche Bidirektional auch die Einstellungen des Blitzes auf meiner Kamera anzeigt.

Verarbeitung: Ich kann eigentlich nicht klagen über den Jinbei, doch so richtig gut verarbeitet ist er nicht. Ästhetik spielt keine sehr große Rolle, doch ein bisschen dann schon – und da gibt es doch schönere und robustere Blitze.

Und genau diese Kritikpunkte sind eigentlich auch alles was bei Blitz-Kauf zu bedenken ist. Hier also die Alternativen die für mich in Zukunft in Frage kommen:

Jinbei HD-II 600-V HSS

Jinbei HD-II 600 HSS

Eigentlich die Preislich interessanteste Lösung – für den gleichen Preis wie mein Porty kommt der Blitz mit richtigem HSS und eingebautem Akku daher. Aber leider ist der Funkfernauslöser wieder der selbe weshalb der Blitz dann doch nicht in Frage kommt. Definitiv die sinnvollere Wahl für Leute die HSS brauchen und die 1000€ extra für einen Priolite MBX500 Hot-Sync nicht ausgeben wollen. Kompatibel mit Bowens Lichtformern was viel Geld spart!

Priolite MBX500

Priolite MBX500

Das tollste vom tollen für eigentlich wenig Geld. Super Verarbeitung made in Germany. Schnelle Abbrennzeiten, geniale bidirektionale Funkfernbediehnung, eingebauter Akku und ordentlich Leistung. Kein HSS doch dafür ein richtig solider Blitz der sogar 3 verschiedene Bajonette unterstützt: Priolite, Bowens und Hensel.

Profoto B1

Profoto-B1-Off-Camera-Flash-2-1024x529

 

Das Monster: Knapp 2000€ und ein wirklich grandioser Blitz. Die Air-Remote kann alles was das Herz begehrt, das Ding glänzt mit abartig kurzen Abbrennzeiten, kann zusätzlich noch HSS und TTL-2!! Im Grunde kombiniert das System alle Vorzüge eines Aufsteckblitzes mit der Power eines richtige Blitzes und einer guten Fernbediehnung. Nicht ganz billig, 2000€ sind sicherlich kein Schnäppchen, doch dafür erhält man auch das Beste vom Besten im Moment. Achtung nur: Die Lichtformer müssen auch von Profoto sein (wobei das Bajonett wirklich hervorragend und super praktisch zu benutzen ist) und dementsprechend ist das ganze auch in weiterer Folge noch etwas teurer.

Zu TTL (Through-The-Lens Metering) im Blitz kann man stehen wie man will, viele werden sagen (ich teils auch) dass es unnötig ist da der Blitz besser manuell gesteuert wird, doch dann hat man auch oft mal den Auftrag wo alles super schnell gehen muss und wo das Licht-Setup es zulässt dass TTL wirklich Zeit und Nerven spart. Wenn der Blitz es kann, und auch noch alles andere kann sage ich warum nicht. Und frei nach dem Motto besser haben als brauchen nehme ich das ganze gerne dazu :).

Dementsprechend gilt meine Kaufempfehlung klar dem Profoto B1 System. Wem das zu teuer ist und der kein HSS benötigt soll zum Priolite greifen – da gibts für nicht viel mehr als bei Jinbei einen extrem soliden wirklich angenehm zu bedienenden Blitz für eigentlich recht wenig Geld.

Ihr habt Fragen oder Anmerkungen? Schreibt uns in den Kommentaren oder auf Social Media!

Mein Name ist Daniel Hölbling-Inzko und ich bin Hochzeitsfotograf aus Klagenfurt am Wörthersee in Kärnten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *