Canon 35mm 1.4L II Review

Wir haben wieder ein neues Video – diesmal das Review des Canon EF 35mm 1.4L II USM! Wer das Video schon gesehen hat und wegen der Beispielbilder hier ist: Beispielbilder

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Als Sigma seine Art Serie vom Stapel gelassen hat war ein 35mm 1.4 ganz in der ersten Reihe um Canon und Nikon das Wasser abzugraben. Der Ansatz ist auch voll aufgegangen: Canons 35mm 1.4L war zu dem Zeitpunkt über 10 Jahre alt, zwar noch immer eine wunderbare Linse, aber doch etwas in die Jahre gekommen. Das neue Sigma konnte mit hervorragender Abbildungsleistung und einem sehr sehr guten Preis/Leistungsverhältnis überzeugen.

Nach knapp 17 Jahren hat Canon dann aber auch endlich eingesehen dass es Zeit wird für eine Überarbeitung des 35mm 1.4L. Nicht dass es zwingend Notwendig war, das alte war eigentlich nach wie vor eine hervorragende Optik, doch wer neue L Objektive gewohnt ist wird doch die nicht ganz perfekte Schärfe kritisieren und auch den fehlenden Wetterschutz den man mittlerweile von L-Objektiven gewohnt ist. Und weil man schon mal dabei war hat Canon sich das ganze gleich mal über 2000€ kosten lassen.

Ich kaufe sonst eigentlich nur Original Canon Objektive, aber bei dem Preis vom neuen 35mm 1.4L II musste ich mir einfach zuerst das Sigma 35mm Art holen und testen. Denn fast drei mal so teuer für auf dem Papier nicht wirklich viel mehr Abbildungsleistung ist schon fast frech.

Entsprechend hatte ich das Sigma 35mm Art zuhause und habe damit fast einen ganzen Monat probiert und experimentiert bevor ich es dann trauernd zurückgeschickt habe (getrauert habe ich um meine Brieftasche). Dementsprechend ist dieses Review vor allem auch ein Vergleich zwischen dem Sigma 35mm 1.4 DG HSM Art und dem Canon EF 35mm 1.4L II.

Ergonomie & Handling:

Das Canon 35mm 1.4L II fühlt sich ehrlich gesagt wie jede andere neue L-Serien Fixbrennweite an. Es ist rund ;), aus edlem sehr angenehmen Plastik gefertigt und überraschend schwer und groß. Im Video ziehe ich den Vergleich zum Canon EF 24-70 2.8L II USM und das 35mm 1.4L II ist vielleicht einen halben Zentimeter kürzer und auch nur wirklich marginal leichter. Verwunderlich – aber nicht wirklich störend.

Dazu gibt es auch die neue klickende Gegenlichtblende die Canon in letzter Zeit liefert. D.h. die Gegenlichtblende hat einen Knopf mit dem sie entriegelt wird und dann butterweich abgedreht werden kann – ganz im Gegensatz zum Sigma 35mm wo die Gegenlichtblende wie früher typisch einfach einrastet (und in meinem Fall sehr schwergängig war sodass ich jedesmal das Objektiv ein wenig im Bajonett gedreht habe.

Apropos Gegenlichtblende, das war gleich einer meiner größeren Kritikpunkte am Sigma: Beim Sigma ist diese sehr stark abgerundet und sehr spitz. Entsprechend schwer fällt es das Objektiv mit der Gegenlichtblende nach unten abzustellen weil es recht leicht umfällt. Beim Canon 35mm 1.4L II ist dies kein Problem, die Gegenlichtblende sieht zwar nicht ganz so sexy aus wie die vom Sigma, dafür steht das Ding bombensicher. Sehr praktisch und für mich persönlich ein wichtiger Punkt da ich beim Objektiv-Wechsel meist das Objektiv von der Kamera zuerst irgendwo Gegenlichtblende nach unten abstelle, das andere Objektiv an die Kamera mache, dann das Lenscap aufschraube und dann das gewechselte Objektiv erst in die Tasche räume.

Spritzwasser & Staubschutz: Im Gegensatz zum Sigma hat das Canon das sogenannte „Weather Sealing“ verpasst bekommen, ist also selbst gegen Spritzwasser abgedichtet und besitzt auch den Dichtungsring am Bajonett der den Anschluss zwischen Kamera und Objektiv vor Feuchtigkeit schützt.

Autofokus Performance & Schärfe:

Mein allergrößtes Problem mit dem Sigma: Fokus. Wenn das Objektiv mal getroffen hat war es super und spot-on. Aber selbst nach der Justierung mit dem USB Dock war der Fokus bei 1/5 der Bilder einfach meterweit daneben. Und das meine ich jetzt nicht übertrieben – Fokus war wirklich WEIT daneben wie im folgenden Beispiel:

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Ein (moderates) aber repräsentatives Beispiel für die Fokus Probleme des Sigma 35mm.

Das Canon ist hier einfach meilenweit überlegen. Der Fokus ist schnell, leise und vor allem präzise. Selbst mit einem leichten Front-Fokus hatte ich NIE die Probleme wie mit meinem Sigma. Wenn die Kamera Fokus anzeigt und man selbst nicht noch irgendwas verbockt, dann ist das Ding perfekt scharf. Punkt – ganz einfach – keine Diskussion.
Ebenso bei Gegenlicht und Kunstlicht. Bei Gegenlicht war ich mir beim Sigma nicht sicher ob es einfach so schlecht abbildet (im Lichtpfad) oder ob es der Fokus ist, aber bei Kunstlicht hatte ich mit dem Sigma teils weniger als 30% scharfe Bilder. Alles kein Problem fürs Canon.

Bildqualität

Makellos – das einzige was mir zum Canon einfällt. Bis auf die recht extremen Flares ist das Objektiv in allen Lebenslagen einfach grandios. Die Schärfe ist (wie von den neuen L-Objektiven gewohnt) einfach abartig. Die Farbwiedergabe und die Kontraste im Bild sind ein Traum und machen einen wirklich tollen Look. Fairerweise muss man aber auch dem Sigma hier sehr gute Noten geben, wenn es denn mal Fokus trifft ist es auch ein sehr schönes Objektiv. Ich würde sagen das Canon rendert einen Tick besser als das Sigma, aber viel davon ist auch der etwas besseren Farbwiedergabe und dem schöneren insgesamt-look geschuldet.

Ein sehr wichtiger Punkt der extrem schwer objektiv zu beurteilen ist bleibt noch: Das Bokeh. Ich finde dass Canon in letzter Zeit bei seinen Fixbrennweiten sehr schöne, cremige und weiche Bokehs gezaugert hat. Das gleiche gilt auch fürs 35mm 1.4L II, es hat diese malerische, cremige Note – sowohl vor als auch hinter dem Subjekt und macht keine seltsamen Kanten oder ähnliches. Da kam mir das Sigma Bokeh deutlich unruhiger vor, vor allem bei harten Kontrasten die im Vordergrund platziert wurden kam es hin und wieder zu unschönen Kanten.

Objektive testet man immer zuerst an Katzen. Straight out-of-cam, ungeschärft. Anklicken für die Großansicht.

Objektive testet man immer zuerst an Katzen. Straight out-of-cam, ungeschärft. Anklicken für die Großansicht.

Bis auf die Chromatischen Abberationen natürlich – diese gibts beim Canon einfach nicht (bzw muss man sich wirklich extremst anstrengen um doch mal was zu sehen). Schockierend dass das neue Linsen-Element wirklich so gut ist und nicht nur ein Marketing-Gag um den hohen Preis zu rechtfertigen.

Das einzige Manko das ich bisher an dem Objektiv (neben dem Preis natürlich) finden konnte sind die doch recht exzessiven Flares. Die sind zwar eigentlich ganz hübsch, könnten aber auch deutlich dezenter ausfallen (so wie zum Beispiel beim 24-70 f/2.8L II wo sie quasi nicht existieren).
Was dann wieder verwundert ist wie exzellent die Schärfe und Bildqualität selbst im Flare ist. Wenn man ein Subjekt genau vor die Lichtquelle stellt hatte das Sigma größere Probleme mit Überblendungen (kontrastarm und unscharf) während das Canon einfach trotzdem super-scharf ist.

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Beispiel für die doch recht ausgeprägten Flares des Canon 35mm 1.4L II

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Selbst mitten im Licht-Pfad des Flares ist das Canon noch scharf

Beispielbilder

Hier ein paar Beispielbilder, anklicken für die 100% Ansicht.

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Mein Name ist Daniel Hölbling-Inzko und ich bin Hochzeitsfotograf aus Klagenfurt am Wörthersee in Kärnten.

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