2 Jahre mit der Canon 6D. Ein ehrlicher Erfahrungsbericht mit der Einstiegsvollformat von Canon.

2 Jahre mit der Canon 6D. Ein ehrlicher Erfahrungsbericht mit der Einstiegsvollformat von Canon.

Wie schnell die Zeit vergeht. Mir kommt es wie gestern vor als ich mir meine erste Vollformat Kamera gekauft habe. Sie gilt zwar offiziell im Canon Lineup nur als Semiprofessionelle Kamera, war für mich jedoch der Einstieg in die professionelle Fotografie. Inzwischen sind es schon über zwei Jahre in denen ich die Canon gefühlt jeden zweiten Tag verwende. Eines kann vorerst schon mal gesagt werden, sie funktioniert noch und macht ihre Dienste „fast“ wie am ersten Tag. Ich möchte diesen Erfahrungsbericht so realistisch wie möglich halten, washalb ich eher wenig über Labortests berichten werden. Mir geht es eher darum wie sie sich im Alltag schlägt, für welche Jobs sie brauchbar ist und was für Erfahrungen ich im professionellem Alltag mit der Kamera machen konnte.

Haptik:

Fangen wir mal mit einem wichtigen Punkt an, wie ist die Kamera gebaut und wie fühlt sie sich an?

Dies ist auch einer der Punkte welcher beim Vergleich zur Canon 5D Mark III sehr oft aufkommt. Die 6D ist nämlich nicht Spritzwasser geschützt und hat auch kein komplettes Aluminium Gehäuse. Aber was bedeutet dies denn im Alltag?

Aus Erfahrung kann ich sagen das die Kamera stürze aus einer normalen Höhe sehr gut aushält. Sie ist mir immer wieder mal vom Stativ, Tisch, Stuhl usw. geflogen und hat es sich nicht anmerken lassen. Die Kamera scheint diesbezüglich recht viel auszuhalten.

Das Thema Spritzwasser ist jedoch wieder ein anderes, da dies mir immer wieder sorgen macht. Jedes mal wenn es bei einer Hochzeit zu regnen anfängt, wünsche ich mir eine 5D Mark III, obwohl die 6er auch hier mich nie im Stich gelassen hat. Letztes Jahr beim Ironman hat es Beispielweise mächtig zum Schütten angefangen und die Kamera hat hierbei auch einiges abbekommen und trotzdem einwandfrei funktioniert. Eine Negativerfahrung hatte ich jedoch trotzdem und zwar mit Kaffee. In Dubai habe ich versehentlich ein paar Tropfen Espresso auf die Kamera verschüttet, was dazu führte das ich bei meinem ganzen Dubai und Südafrika Aufenthalt komplett ohne dem hinterem Wahlrad und Pfeiltasten arbeiten musste. Glaubt mir, das war alles andere als lustig, vor allem da wir fünf Shootings für Modelagenturen hatten :/. Die Reparatur hierfür hat hierfür auch zwei Wochen gedauert, wo ich mir für die Zeit eine Kamera von einem Kollegen ausleihen musste.

Nach zwei Jahren in verwendung lösen sich jetzt auch langsam die Gummierungen und die Beschriftung des oberen Wahlrades (das mit den Menüpunkten M, AV, TV etc.) ist mir auch abgefallen. Ist jedoch nichts all zu tragisches.

Fazit: Die Kamera hält Wasser und Stürze aus, aber keinen Kaffee 🙂

 

Erfahrungsbericht und Test über die Canon 6D

Die Rückseite: Der Plastikbildschirm ist schon stark verschmiert (und schwer zu reinigen) und auch die Augenmuschel fehlt schon seit einiger Zeit.

Bedienung:

Ich glaube hier gibt es nicht all zu viel zu sagen. Irgendwie sind doch alle Canon Kameras von der Bedienung her ähnlich. Das einzige was mich immer wieder nervt ist die Auswahlmethode der Fokuspunkte, wo das obere Rad den Punkt nach oben und unten verschiebt und das untere Rad den Punkt nach rechts und links verschiebt. Wenn man nicht gerade auswendig weis wo der Fokuspunkt zuletzt gelegen hat, kann man das ganze leider nicht blind bedienen. Bei mir 60D war das irgendwie einfacher, da man mit dem Rad einfach eine Runde durch die Fokuspunkte machen konnte und diese beim kleinem Schulterdisplay angezeigt wurde.

Ein anderer Punkt ist das WLAN der Kamera, welches von der Bedienung her unter aller Sau ist. Ich liebe es im Studio zu Tethern und finde die Idee einer Kabellosen Bildübertragung super, aber was Canon hier aufgeführt hat ist einfach erbärmlich. Für eine kurze Zeit scheint das WLAN immer zu klappen, bis man es echt mal bei einem Kundenshooting braucht, wo es dann fast immer unzuverlässig ist. Meistens verbindet es sich erst wenn man das ganze Setup (inkl. Passworteingabe des Netzwerkes etc.) neu durchführt. In letzter Zeit findet die Kamera mein Heimnetzwerk überhaupt nicht mehr, weshalb ich das WLAN schon seit ca. einem Monat nicht mehr vewende (es findet aber natürlich alle anderen Netzwerke in der Gegend). Auch wenn es funktionieren würde, finde ich die Android/iOS APPs, sowie die Windows Programme dazu auch einfach schlecht. Macht jedenfalls nicht sonderlich viel Spaß damit zu arbeiten.

Abgesehen vom WLAN ist die Kamera aber recht solide und funktioniert eigentlich immer einwandfrei. Ist auf alle Fälle ein zuverlässiges Teil welches mich nie im Stich gelassen hat.

Bildqualität und Auflösung:

Dies ist normalerweise der Grund weshalb man eine Vollformat Kamera wie die Canon 6D kauft und dies war auch in meinem Fall ein ausschlaggebender Kaufgrund der Kamera. Die Bildqualität der Kamera ist sicherlich mehr als ausreichend für so gut wie alle Kunden und man kann damit auch so gut wie jeden Job erledigen. Wenn man sauber fotografiert ist kann man die Belichtung der Dateien auch noch sehr stark in Lightroom oder anderer Software anpassen und auch die low-light performance ist was ganz anderes wenn man vorher nur Crop-Kameras gewohnt war. Es wird zwar momentan immer wieder gesagt wie viel besser die neuen Sony Sensoren doch sind, aber wenn man mal realistisch ist sollte man wenn möglich sauber fotografieren und nicht die Belichtung um 6 Blenden nachträglich anpassen. Mit der Kamera kann man jedenfalls so gut wie alle Aufträge erledigen. Im Studio hat sie sowieso keine Probleme, bei Landschaften natürlich auch nicht und die Werbefotografie bringt die Kamera meistens auch nicht an die Grenzen. Sie ist auch sehr gut für Hochzeiten und andere Events wo eine Low-Light Performance wichtig ist einsetzbar, da auch Bilder bei ISO 6400 sehr gut verwendbar sind. Die einzige sparte wo ich die Kamera echt nicht verwenden wollen würde, ist die Sport Fotografie. Dafür ist das Fokussystem einfach zu mies!

Die Auflösung genügt auch für fast alles. Einzig bei großformatigen Drucken oder im Makrostockbereich werden die 20 Megapixel doch sehr sehr knapp, weshalb ich mir für die IIer Version auf alle Fälle etwas im Bereich von 30 Megapixeln oder drüber wünschen würde.

Fokussystem:

Da dies der Hauptkritikpunkt der Kamera in so gut wie jedem Kameratest ist, möchte ich hierzu auch meinen Senf abgeben. Das Fokussystem reicht für so gut wie alles aus, wie ich finde. Es gab bisher echt nur sehr selten eine Situation wo ich dachte, scheiße ich bekomm die Aufnahme nicht hin weil die Kamera das nicht hinbekommt. Im Portrait Bereich, bei Hochzeiten und auch bei bewegten Motiven wie Kindern etc. fokussiert die Kamera mehr als gut genug um Aufträge locker über die Bühne bringen zu können. Ja sogar im Sportbereich ist es möglich, auch wenn ich hierfür eine Handvoll Kameras aufzählen könnte welche dafür besser geeignet sind. Das einzige was echt nervt ist das die Punkte sehr Zentral liegen, weshalb man für bestimmte Bildkompositionen trotz äußerem Punkt nocht etwas verschwenken muss. Das ist so ein Moment wo ich mir wieder eine Kamera mit weiter außeinanderliegenden Fokuspunkten wünsche, da man durch sowas auch mal einen Moment verpassen könnte. Eine weitere große schwäche beim Fokus liegt bei Gegenlichtaufnahmen. Bei richtigem Gegenlicht funktioneiren die ganzen äußeren Punkte extrem schlecht und treffen nur äußert ungenau und unsicher. Bei solchen Aufnahmen muss ich leider oft zum mittlerem Punkt wechseln. Jedoch muss erwähnt werden das man auch von solchen Problemen von Kollegen mit 5D Mark III und ähnlichen Kameras hört. Vielleicht sind Gegenlichtaufnahmen einfach noch zu viel für heutige DSLRs.

Abschließende Worte:

Das war jetzt nur mal ein kleiner Bericht wie ich die Kamera wahrneme und welche guten und schlechten Seiten sich bei meiner täglichen Arbeit herauskristallisiert haben. Für momentan ca. 1300 EUR ist die Kamera sicherlich noch immer ein toller Einstieg in die Vollformat Klasse, wobei ich mir in Zukunft eher eine 5D holen werde, sobald das neue Modell herauskommt (vielleicht auch eine 6D Mark II wenn diese echt besser ist 😉 ).

Authored by: Daniel Waschnig

Mein Name ist Daniel Waschnig und ich bin ein Fotograf aus Klagenfurt am Wörthersee in Kärnten. Ich fotografiere hauptsächlich fashion, lifestyle und business Motive.

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